Die Sonne taucht die Dächer von Bern in goldenes Licht, während auf dem Bundesplatz ein paar Jugendliche einen alten Lederball hin und her kicken. Kein Stadion, keine Tribüne, nur der Brunnen plätschert im Hintergrund und die Berge stehen wie stille Wächter am Horizont. Hier, wo die Aare durch die Stadt schlängelt, wird Fussball nicht als Spektakel zelebriert, sondern als selbstverständlicher Teil des Alltags gelebt. Die WM 2026 wirft ihre Schatten voraus – nicht als Hype, sondern als ruhige Gewissheit, dass das Turnier auch diese ruhigen Ecken des Landes berühren wird.
Ein Land der vier Sprachen, ein Ball für alle
Die Schweiz ist kein klassischer Fussball-Gigant, doch genau das macht ihre Beziehung zum Sport so besonders. In einem Land, das vier Landessprachen und noch mehr kulturelle Nuancen vereint, wird der Ball zum verbindenden Element. Von den Tessiner Plätzen, wo der Ball im mediterranen Flair rollt, bis zu den Basler Strassen, wo der Rhein die Grenze zur Nachbarschaft markiert, spiegelt der Fussball die föderale Vielfalt wider. Die WM 2026 wird nicht nur in grossen Stadien stattfinden, sondern auch in den Köpfen und Herzen der Menschen, die in ihrem Alltag bereits seit Generationen mit dem runden Leder verbunden sind.
Von der «Nati» zur gelebten Vielfalt
Die Schweizer Nationalmannschaft, liebevoll Nati genannt, steht nicht für überbordenden Glamour, sondern für eine ruhige, oft unterschätzte Stärke. Viele Spieler haben Migrationshintergründe – ein Abbild der Schweizer Gesellschaft, in der über ein Viertel der Bevölkerung einen ausländischen Pass besitzt oder eingebürgert wurde. Diese Vielfalt wird auf dem Platz nicht zelebriert wie ein Marketing-Gag, sondern still vorausgesetzt. Die WM 2026 wird diese Realität erneut sichtbar machen: Ein Land, das aus vielen Wurzeln besteht und dennoch zusammenfindet.
„Hopp Schwiiz!"
— Traditioneller Schlachtruf der Schweizer Fans
Fussballkultur jenseits der Grossanlässe
Wer durch die Schweiz reist, entdeckt schnell, dass Fussball hier nicht nur in den Arenen stattfindet. In den Bergdörfern des Wallis wird auf improvisierten Plätzen gekickt, in den Vororten von Zürich treffen sich Migranten-Communities zum wöchentlichen Spiel. Die WM 2026 dient als Linse, durch die diese dezentrale Fussballkultur sichtbar wird. Es geht weniger um das grosse Spektakel, sondern um die kleinen Momente: den Vater, der mit seinem Sohn auf einem Bolzplatz trainiert, die Frauenmannschaft eines Dorfclubs, die sich gegen Vorurteile durchsetzt, die Jugendlichen aus unterschiedlichen Sprachregionen, die sich beim Turnier plötzlich verstehen.
- Über 25 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund
- Der Schweizer Fussballverband fördert aktiv den Breitensport in allen Regionen
- Frauenfussball hat in den letzten 15 Jahren einen enormen Aufschwung erlebt
- Viele kleine Vereine leben von Freiwilligenarbeit und lokaler Verankerung
Die Vorbereitungen auf die WM 2026 laufen dezentral und unaufgeregt – ganz im Schweizer Stil. Städte wie Basel, Genf und Zürich werden Spielorte oder Fan-Zonen beherbergen, doch der eigentliche Geist des Turniers wird sich auf den Plätzen und in den Begegnungen der Menschen zeigen. Die Berge bleiben dabei stumme Zeugen: Sie haben schon viele Fussballträume gesehen und werden auch 2026 wieder welche begleiten.
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